Dienstag, 31. Mai 2016

Familie Fenk, Hinterforst



Die Sägerei wird bereits durch die sechste Generation geführt. Der kleine Familienbetrieb weiss, was er kann und was er zum Existieren braucht. Die damit verbundenen Werte sind die Grundlage, sich in einem sich verändernden Umfeld behaupten zu können. An ihnen werden das Angebot, die Abläufe und Neuerungen ausgerichtet. So, dass ein Kunde, welchem Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit wichtig sind, in der Firma Fenkholz einen guten Partner findet.

„Schon mein Grossvater bezog das Holz von Leuten in der Region, man kennt sich. Der enge Kontakt zu den Förstern und Waldbesitzern sowie eine fairer Umgang sind entscheidend für diese langjährige Zusammenarbeit. Diese Werte vertritt auch mein Vater. Wir versuchen mit Bestehendem zu arbeiten, das Gute von früher zu überneh-men und auf die heutige Zeit zu adaptieren. Regionalität und kurze Transportwege sind uns wichtig.“

„Diese Werte waren entscheidend bei der Planung unseres Neubaus. Wir wollten diese ins Neue übertragen. Diese nachhaltigen Werte des Geschäfts im Umgang mit dem Rohstoff Holz, aber auch, wo man ihn bezieht, sollten sich auch in der Architektur zeigen. So verwendeten wir dabei nur unbehandeltes, unverleimtes Holz. Wir arbeiteten mit Massivholz und Verdübelungen, bauten einen konventionellen Dachstock mit Eisenverbindungen. Das Holz stammt aus unseren Wäldern, wir      schnitten alles zu und die Unternehmer aus der Region verarbeiteten."

„Wir heizen unsere Trocknungsanlage mit Briketts und unseren Produktionsabfällen. Der Neubau unserer Produktionshalle ist unbeheizt, der Bürotrakt hat praktisch keinen Wärmeverlust. Sowieso wäre eine Beheizung des Produktionsbereichs wenig sinnvoll, da man beim Arbeiten nicht so warm braucht und man den ständigen Wechsel der Temperaturen im Vergleich zum Aussenbereich nicht will.“

„Die neuen Gebäude passen sich mit ihrem asymmetrischen Satteldach gut in die Landschaft und das Dorfbild ein. Die Form ist abgeleitet von den bestehenden Be-triebsgebäuden und neu interpretiert.“

„Wir haben mit dem Neubau die Abläufe optimiert. Auch müssen wir nicht mehr soviel Material umschichten und andere Leerarbeiten machen. So gelingt es uns, mit weniger Leuten ein wenig mehr Menge zu produzieren."

„Die Tragkonstruktion und Fassade in Holz gestalteten vier unserer Kunden im Verbund. Einer übernahm die Gesamtleitung. Wichtig war uns die Unternehmer aus dem nahen Umfeld zu berücksichtigen. Das am weitesten entfernte, beim Bau beteiligte Unternehmen war aus St.Margrethen. Es machte keinen Sinn von weiter weg offerieren zu lassen, es hätte nur mehr Aufwand und Abfluss der Wertschöpfung bedeutet.“

„Wir bieten das Standardsortiment an, berücksichtigen jedoch auch Sonderwünsche des Kunden. So können wir vom Standard (6m Länge) ausgehend die Länge der Latten variieren. Auch Sonderlängen bis 9m sind machbar."

„Der Preisdruck in unserer Branche ist sicher stark; die Preise für Rundholz sowie das verarbeitete Produkt sind gesunken. Wir versuchen, aus dem Holz ohne weitere Verarbeitung das Beste herauszuholen. Dementsprechend haben wir hier eine Trock-nung eingerichtet und das Einschneideverfahren so geändert, dass wir von der Qualität her (Geradigkeit) ohne Keilverzinkung an keilverzinkte Latten herankommen.“

„Die Rohstoffe sind abgesehen vom Ölpreis immer teurer geworden, nur beim Holz ist es umgekehrt. Der entstehende Druck wird automatisch weitergegeben.
Dieser Trend muss sich ändern. Sonst funktioniert das mit der regionalen Wert-schöpfung nicht mehr. Unser regionaler Kreislauf funktioniert noch, ist aber gefährdet.“

„Niemand kann es sich längere Zeit leisten, immer der Günstigste sein. Der Rohstoff Holz braucht einen fairen Preis. Der Begriff Nachhaltigkeit kommt von der Forst-wirtschaft her: Man fällt nur soviel, wie innert nützlicher Frist wieder nachwachsen mag. Dasselbe ist es in der Wirtschaft. Man benötigt einen kostendeckenden Preis für sein Produkt, ansonsten ist die Zukunft nicht gewährleistet.“

„Glücklicherweise wird Schweizer Holz für die Bauherrschaft immer mehr Thema. Zum Teil wird auch Schweizer Holz verlangt. Generell ist das Bewusstsein gewach-sen, woher ein Produkt kommt.“

„Die Holzbranche wird durch die Politik nicht speziell unterstützt. Wir sind generell gegen Subventionen, setzen uns aber für einen fairen Preis für den Rohstoff ein. Wir haben unser Konzept so erstellt, dass es mit all den vorgegebenen Auflagen funktioniert. Wenn plötzlich dank Subventionen Unternehmen existieren würden, die es in der normalen Markwirtschaft nicht geben würde, so käme der Preis nur zu-sätzlich unter Druck. Der Branche hilft dies wenig.“

„In Bezug auf Nachhaltigkeit denke ich für mich vielleicht anders als die meisten. Beim Bau sind die natürlichen Begebenheiten auszuschöpfen und natürliche Materialien zu verwenden. Verzicht auf unnötige Technik, das heisst, Aspekte wie Ausrichtung des Baus, Sonneneinstrahlung und Schatten, Thermik etc. gewinnen an Bedeutung. Auf solche Sachen sollte man bei der Planung mehr Wert legen. Auch könnte man mit einer natürlichen Hanfdämmung arbeiten statt mit den auf Erdölbasis basierenden Produkten.“

„Unser Vorteil ist, dass wir klein sind. Mit der 10-fachen Menge hätten wir in der Region keine Chance. Zudem würde es nicht zur Firmenphilosophie passen. Die Arbeit muss einfach sauber gemacht sein und man muss davon leben können. So kann man überhaupt erst arbeiten. Mit der Achtung unserer Werte sind wir bis jetzt gut gefahren.“



Montag, 26. Januar 2015

Peter Schumacher, Rii-Seez Power, 56 Jahre



Peter Schumacher arbeitet seit 19 Jahren fürs EW Vilters-Wangs und ist seit Beginn bei Rii-Seez Power mit dabei. Er erlebte den Wandel beim Elektrizitäts-werk vom klassischen Technikbetrieb zum heutigen Marktanbieter hautnah mit. Der Verein Rii-Seez Power setzt heute mit Überzeugung auf einheimische Alternativenergien. Sorgen machen ihm die elend langen Verwaltungsabläufe bei Konzessionserneuerungen und der Import stark subventionierten Stroms aus dem Ausland. Politisch will sich der Pool nicht engagieren. Zu Themen wie Kostenwahrheit beim Atomstrom, Betrieb von Kohlekraftwerken usw. wird Rii-Seez Power keine Position einnehmen.

„Vor 19 Jahren machte man einfach EW-Arbeit. Man war Techniker, der das Netz plant, erweitert und instand hält. Laufend wurde der Einsatz der Kraftwerke berechnet und die Anlagen optimiert. Von Liberalisierung war damals noch nicht die Rede. Das änderte jedoch bald. Um der neuen Situation gerecht zu werden, mussten wir uns neu orientieren. Aus der Fachpresse hat man entnommen, dass nur die 'Grossen' eine Überlebenschance hätten. Es erschien uns kleineren EW kaum möglich, die kom-menden Aufgaben alleine zu lösen. Also kam die Idee sich zu einer neuen Organi-sation zusammenzutun. So wurden bald einmal im Sarganserland ein Pool mit dem Namen Seez-Power und zur  selben Zeit im Bezirk Wartau das Pendent Rii-Power ins Leben gerufen. Um wirklich eine Chance zu haben, haben die EW’s der beiden Regionen im Jahr 2001 den Energiepool Rii-Seez Power gegründet, welchem 14 lokale Energieversorgungsunternehmen angeschlossen sind.“

„Begeistert waren wir bei den EW’s über die Liberalisierung nicht. Wir hatten Angst, dass dadurch Arbeitsplätze verloren gehen könnten und der Energiepreis zeitweise stark sinken könnte. Damals ahnten wir noch nicht, dass die heutigen Tiefpreise der Energie ganz andere Gründe haben können.“

„Die Strategie von Rii-Seez Power ist ganz klar: die einheimischen Alternativ-Energien Wasser, Sonne und Wind ausbauen, wo es aufgrund der strengen gesetzlichen Rege-lungen geht. Der Preis für Naturstromprodukte soll attraktiv sein, damit diese vermehrt gekauft werden.“

 „Im Verbund von Rii-Seez Power tauschen sich die Vertreter der Mitgliedswerke aus und vermarkten gemeinsam Produkte. So trifft sich der Vorstand vier- bis fünfmal jährlich. Die Arbeiten aus den verschiedenen Arbeitsgruppen und Veranstaltungen  werden besprochen und Produkte werden weiterentwickelt. Hauptsächlich sind wir Leute aus der Elektrobranche und bringen unsere Ideen in unsere Betriebskommis-sionen ein.  Dort sind meist  Vertreter der Gemeinden oder Verwaltungsräte aus der Wirtschaft tätig.“

„Rii-Seez Power setzt auf Erneuerbare Energien. So haben wir ein Programm ent-wickelt, welches unsere eigene Wasserkraft vermarktet und Erneuerbare Energien wie Photovoltaik und Windenergie fördert. Finanziert wird diese Förderung durch einen Fonds, welcher durch den Verkauf von Naturstromprodukten und aus den Jahres-beiträgen der Mitgliedswerke finanziert wird. Rii-Seez Power war der erste Pool in der Schweiz mit einem solchen Modell, das auch in einem Beitrag des 'Kassensturz' gelobt wurde.“

„Rii-Seez Power bietet heute verschiedene Naturstromprodukte an, die vom Kunden nach eigenem Wunsch zusammengestellt und direkt bei uns eingekauft werden kön-nen. Der persönliche Strommix kann mit Hilfe des Online-Stromrechners auf unserer Webseite zusammengestellt werden (www.riiseezpower.ch/stromrechner).
Da wir aufgrund der Nachfragesituation momentan nicht den gesamten geförderten Naturstrom verkaufen können, wurden die Beiträge des Förderprogramms an Photo-voltaikproduzenten reduziert. Der Produzent erhält dank des Programms jedoch nach wie vor mehr als von den meisten EW direkt. Diese Produkte bieten wir an, solange es uns möglich ist.“   

„Eine Arbeitsgruppe von Rii-Seez Power befasst sich mit der Ausbildung von Ler-nenden und der Förderung guter Ideen. So sind wir an der NTB Buchs präsent, aber auch Private machen bei unserem jährlichen Energiewettbewerb mit.“

„Unser Pool hat einen Beirat, der sich  aus bekannten Leuten der Politik und Wirt-schaft aus der Region zusammensetzt. Der Beirat vertritt den Pool in der Öffentlich-keit  und verwaltet den Naturstromfonds.“

„Seit Fukushima hat sich bei den EW‘s und bei Rii-Seez Power selber das Be-wusstsein sehr gewandelt. Der Umweltschutzgedanke wird heute noch stärker ge-wichtet. Meiner persönlichen Meinung nach muss das  Endlagerproblem bei der Atom-kraft gelöst werden, ein Technologieverbot kann ich aber auch nicht unterstützen. Ebenso bin ich nicht begeistert über die Förderung von Kohlestromkraftwerken, auf-grund des hohen CO2-Ausstosses, an welchem die Erde zugrunde gehen könnte. Ich bin nicht Naturwissenschafter, doch mit solchen Technologien sollte sehr zurückhal-tend umgegangen werden.“

„Leider wird uns unsere ‚teure’ Energie aus Wasserkraft nicht mehr so richtig bezahlt, weil wir von stark subventioniertem Strom überschwemmt werden. Unser ‚Gold’, die Speicherwerke, werfen die Gewinne nicht mehr ab, welches sie eigentlich erreichen müssten. Dies weil die Preise am Boden sind. Das setzt unsere EW mit unserer lokal produzierten Energie stark unter Druck. Ich glaube aber an die Zukunft unserer Was-serkraft, weil sie die einzige ist, die rasch und zu jeder Zeit verfügbar ist.“

„Ich persönlich glaube, dass aus Kostengründen die Wasserkraft momentan zwar  ausgebaut werden kann, aber kaum neue Kraftwerke entstehen werden. Gesetze, Politik,  Verbände wie auch Einzelinteressen verhindern auch gute Projekte. Es gibt haufenweise Argumente und Meinungen etwas nicht zu realisieren. Doch meist nur wenige, um etwas zu tun.
Die Erneuerung unserer Wasserrechtskonzession dauerte 16 Jahre, dabei ging es um die Erneuerung eines bestehenden, erwiesenermassen sehr umweltfreundlichen Werkes.“

„Wir im Rii Seez Power waren mit unseren Produkten sehr schnell und erfolgreich.  Irgendwann kommt die Politik mit Gesetzen, welche unseren Naturprodukten entge-genwirken. So beispielsweise der vom Kanton vorgeschlagene Öko-Tarif, der vom Beispiel EW Zürich übernommen wurde. Ein Knackpunkt wird sein, wie lange man mit diesem Einheitstarif im liberalisierten Strommarkt überleben kann. Es hängt wieder vom Kunden ab, ob er lokalen, wahrscheinlich etwas teureren Strom möchte oder ein Billigprodukt von irgendwo her kauft.“



Donnerstag, 6. November 2014

Andreas Mathieu, Verein St.Galler Rheintal, Berneck, 44 Jahre



Der hauptsächlich von Gemeinden und Kanton finanzierte Verein St.Galler Rheintal möchte im Bereich Energie die Zusammenarbeit unter den Akteuren erleichtern und ist in diversen Bereichen aktiv. Andreas Mathieu, Umweltnaturwissenschafter und Leiter des Bereichs Energie, berichtet über die Tätigkeiten des Vereins. Er glaubt, dass man regional einiges erreichen kann, doch entscheidend seien die kantonalen und nationalen Rahmenbedingungen.

„Der Verein St.Galler Rheintal hat im Bereich Energie die Aufgabe den Kontakt zwi-schen den verschiedenen Akteuren herzustellen: Gemeinden, kantonale Energie-agentur und –beratung, Firmen, Forschung.“

„Bezüglich Stromtarife beispielsweise mischen wir uns jedoch nicht ein, das ist eher Sache der Gemeinden, welche zum Teil beteiligt sind an der Stromerzeugung und -versorgung.“

„Die Fachgruppe Energie des Vereins St.Galler Rheintal ist eher ein übergeordneter Bau, welcher begleitenden Charakter hat. Die Knochenarbeit im Bereich Energie wird in den Gemeinden gemacht. Diese sind zusammen die erste Energiestädte-Region der Schweiz. Leiter der Fachgruppe ist der Oberrieter Gemeindepräsident Rolf Hu-ber.“

„Wir lösen für Gemeinden Machbarkeitsstudien aus, wo sie selber anstehen mit ihren Ideen. Wir informieren sie darüber, wo der Kanton oder der Bund bereits dran sind und haben neben diversen Gemeindevertretern einen Wissenschafter der NTB Chur in unserer Fachgruppe.“

„Die Fachgruppe hat das Energienetzwerk Rheintal ins Leben gerufen, welches bis jetzt leider nicht über die Konzeptphase hinaus gekommen ist. Etliche Firmen konnten so bezüglich Energieeffizienz einen Knowhow-Transfer machen.“

„Wir würden gerne eine regionale Energieplanung machen, müssen jedoch auf die Gemeinden warten. Die Gemeinden über 7000 Einwohner haben aktuell die Vorgabe einen Richtplan zu erarbeiten, wo Potenziale für allfällige Wärmenetze usw. bestehen. Erst dann können diese Potenziale in der Region vernetzt angegangen werden. Be-züglich des Tempos habe ich mir etwas mehr erhofft.“

„Der Verein initiiert im 2015 einen regionalen Energietag, wo sich Interessierte prä-sentieren können. Eine andere Veranstaltung hatten wir vergangenes Jahr koordiniert, welche nun von der Gemeinde Berneck selber organisiert wird: die in der Schweiz tourende Ausstellung Ecocar, es geht um Elektromobilität. So versuchen wir immer wieder die Bevölkerung zu sensibilisieren.“

„Wir haben im Verein den Leitsatz verabschiedet, dass bis 2030 50% der Energie aus erneuerbarer Quelle stammen soll. Als Region selber haben wir jedoch keine Kom-petenzen zur Steuerung dieses Prozesses. Es sind die Gemeinden und der Kanton bzw. der Bund, welche die Möglichkeit haben Rahmenbedingungen zu setzen. Re-gionale Prozesse sind deshalb sehr aufwändig und träge.“

„Allen Beteiligten ist bewusst, dass etwas gehen muss, doch ist der Bereich Energie ein klassisches Umweltthema, welches oft nicht oberste Priorität hat. Besonders wenn es um weniger Konsum, ums Sparen geht. Da sind die Interessen sehr wider-strebend. Deshalb müssen wir froh sein, wenn Leute nur schon miteinander über das Thema diskutieren.“

„Energie hat nicht den Stellenwert, den das Thema haben müsste. Energie sieht man nicht, tut niemandem weh. Sie erscheint als Zahl in einem Richtplan, das ist den Leuten zu abstrakt. Deshalb ist es nicht überraschend, dass jetzt das Thema Licht-verschmutzung aufgegriffen wird. Man kann das am ehesten sehen und messen.“

„Im Rahmen der kommenden Strommarktliberalisierung müssen sich die Gemeinden dann schon fragen, wie sie ihre EW’s organisieren. Sie sind gefordert die Weichen zu stellen und müssen sich fragen, ob ihr EW konkurrenzfähig ist."  

„Eine Region Rheintal zu 100% mit erneuerbarer Energie versorgt, da bin ich skep-tisch. Ich bin froh, wenn man sich auf den Weg begibt und schrittweise den Anteil an Erneuerbaren erhöht. Wenn man so weiter macht wie bisher, bleibt die Vision jedoch eine Utopie."



Sonntag, 21. September 2014

Josef Brusa, Inhaber BRUSA Elektronik AG, Gams, 57 Jahre



Die Sennwalder Firma BRUSA Elektronik AG ist weit über die Region hinaus bekannt. Sie stellt hocheffiziente Leistungs-Elektronik für elektrisch angetrie-bene Fahrzeuge her. Ihr Inhaber Josef Brusa hat ambitionierte Ziele: den rechtzeitigen und vollständigen Umstieg von fossiler auf elektrische Mobilität. Dies aus reinen Vernunftgründen bezüglich der kommenden Ressourcen-knappheit.

„80% der menschlichen Betriebsamkeit wird durch nicht erneuerbare Energieträger angetrieben, Kohle, Erdgas, Erdöl. Wenn man heute im Radio hört, dass wir Wachs-tum brauchen, dann ist noch mehr von diesem Zeug gemeint. Dies obwohl heute niemand weiss, woher man diese Rohstoffe in 30, geschweige denn in 100 Jahren nehmen soll.“

„Es ist unsere Pflicht schon heute zu fragen, was für eine Welt die heutigen Schüler antreffen werden. Der Lösungsansatz liegt in der Effizienzverbesserung. Wir bei BRUSA kümmern uns um die Mobilität, welche heute eine Gesamteffizienz von rund 15% aufweist. Die elektrische Mobilität ist mindestens viermal besser und kann erst noch mit den neuen Erneuerbaren Energien umgehen, welche nämlich fast aus-schliesslich Strom produzieren. Wenn wir heute mit dem Umbau beginnen, können wir bis 2050 ein schönes Stück des Weges schaffen. Jedenfalls aus Sicht des Ingenieurs. Politisch mag das schwieriger sein.“

Allein der Umstieg auf Elektromobilität würde für die Schweiz den Import von nicht erneuerbarer Energien um einen Viertel reduzieren und Milliarden einsparen, die dann in der Schweiz bleiben. Mit dem Geld kann man die Erneuerbaren ausbauen. Ein Bruchteil der neuen Erneuerbaren reicht aus, um alle Elektroautos zu versorgen.“

„Wir machen unserem Job nicht einfach nur weil es Spass macht oder es Geld gibt, sondern weil wir die Elektromobilität als eine Lösung für unser Ressourcenproblem betrachten. Unsere Firma existiert nun seit 30 Jahren, nochmals so lange braucht es, bis alle Fahrzeuge elektrisch betrieben sind.“

„Die Politik hat einen sehr grossen Einfluss. Der aktuelle weltweite Haupttreiber in Richtung Elektromobilität sind die CO2-Gesetze mit der Begrenzung des CO2-Ausstosses auf 95g pro Kilometer bis 2020. Da heute die meisten Fahrzeuge darüber sind, bieten immer mehr Autofirmen Elektrofahrzeuge und Hybridmodelle an, um den Flottenverbrauch runter zu bringen. 
Ebenfalls einen grossen Einfluss auf den CO2-Ausstoss hätte die Fahrgeschwindig-keit, in Deutschland aber derzeit noch schwer durchsetzbar. Das wäre aber eine Massnahme, die ohne Investitionen und sofort wirkt. In China wird der Grenzwert nicht pro Flotte, sondern bei jedem einzelnen Fahrzeug durchgesetzt. Da kommen gerade Spritschlucker unter grossen Druck Lösungen zu finden, wenn sie auch in China verkaufen wollen.“

„Sinnvoll in der Politik ist, Ziele zu definieren und nicht Lösungen. Letztere kennt man oft auch noch gar nicht. Auch wenn es von der Ingenieur-Seite längst klar ist, kommt man nicht vom Fleck ohne klare politische Leitplanken. Solche könnten das suk-zessive Abdrehen der Subventionen beispielsweise für Kernenergie und Auflagen zur selbstständigen und sicheren Entsorgung sein. Das reicht, da das Abschalten der Kernkraftwerke dann von selbst geschieht, wenn das Ganze unwirtschaftlich wird.“

„Die Wirtschaft kann Handlungen aus solchen Leitplanken ableiten, jedoch nicht sich selber Rahmenziele setzen, weil dies zu Wettbewerbsverzerrungen führt, wenn die Konkurrenz nicht mitmacht. Daher braucht es das Zusammenspiel mit dem Staat, der die richtigen Leitplanken setzt, welche dann für alle gültig sind. Dazu gehört zum Beispiel eine konsequente Durchsetzung des Verursacherprinzips. Regionale Proble-me brauchen regionale Lösungen, globale Probleme globale Lösungen, wie der Grenzwert bezüglich des CO2-Ausstosses oder das Aufgeben wettbewerbsver-zerrender Subventionen.

„Wir bei BRUSA konzentrieren uns auf den Bereich Mobilität, der ein gutes Drittel der Energie verbraucht. Genauso gross ist das Thema im Bereich Haushalt und Gebäu-de. Ein Haus wird in Zukunft Energie produzieren und nicht verbrauchen. Am weites-ten ist die Industrie, weil Verschwendung Geld kostet.“

„Wir brauchen nicht Arbeitsplätzte, sondern Produkte und Dienstleistungen. Produkte, die wir nicht brauchen, sollten wir auch nicht herstellen, auch wenn das Arbeitsplätze kostet. Was uns fehlt ist ein intelligenter und fairer Verteilschlüssel der festlegt, wer die erzeugten Produkte beziehen darf. Das liesse sich mit einem Grundeinkommen lösen, welches aus Werten finanziert wird, die uns allen gehören, ob wir arbeiten oder nicht. Diese Werte sind Ressourcen wie: Boden, Luft, Wasser, Ruhe, unwieder-bringliche Rohstoffe und Energieträger, usw. Wer diese benutzen will soll zahlen.“

„Bei der Renovation des Firmengebäudes haben wir konsequent auf Erneuerbare Energie gesetzt. So haben wir das Gebäude besser isoliert und die Ölheizung durch eine Pelletheizung ersetzt. Die Lichtquellen sind ausschliesslich Leuchtstofflampen. Neue Lichtquellen sind nur noch LED. Die Lüftung ist mit Wärmerückgewinnung und Grundwasserkühlung. Von einem Nachbarhaus beziehen wir Solarstrom. Gerade bauen wir weitere Elektro-Tankstellen für unsere Angestellten; bereits mehr als 10% kommen elektrisch zur Arbeit.



Montag, 23. Juni 2014

Christof Meier, Energieberater, Kriessern, 60 Jahre



Er ist ein Kenner des Energiesektors wie kaum ein Zweiter. Bekannt ist er als Präsident der Solargenossenschaft Rheintal und als Energieberater. Als erster im Kanton baute er ein Minergie-P-Haus, quasi ein Nullenergiehaus.
Er propagiert das Miteinander, den Erfahrungsaustausch, das Optimieren und weiss um das Potenzial, wenn die richtigen Leute am richtigen Ort tätig sind. Ihm schwebt ein umfassendes und schlagkräftiges Rheintaler Projekt vor, in welchem das Tal bis 2025  energieautark sein könnte. Was ihn den Kopf schütteln lässt, sind unreflektierte Schwätzer und teure Halblösungen.

„Über kurz oder lang, damit es uns weiter gut geht, damit wir an unserem Wohlstand nicht verarmen und an unserer Stagnation, müssen wir schon langsam beginnen miteinander zusammen zu arbeiten.“

„Das Wort bio ist zwar etwas anrüchig, doch die Bioenergieregionen sind in der Teamarbeit dermassen erfolgreich, dass das Rheintal 2025 energieautonom sein könnte. Die Grossbetriebe vielleicht sogar noch früher. Hinter den Bioenergieregionen sind Fachleute mit Initiative und einem Engagement, welche die Leute einfach mit-reissen. Die ein zwei Leute, die zu Beginn noch dagegen tun, werden links liegen gelassen. In diesem Sog gibt es auch rasche Ergebnisse.“

„Es gibt bei uns viele Schwätzer, die weder draus kommen noch überlegen was sie rauslassen. Man muss froh sein um alle, die kritisch hinterfragen. Man macht sich so zwar unbeliebt, doch es braucht keine Hirngespinste, sondern etwas, was umsetzbar, bezahlbar ist. Es muss ökonomisch und ökologisch etwas Gescheites sein.“

„Ich bin immer derjenige gewesen, der versucht, ein Team zusammen zu bringen, Ideen zu entwickeln und jedem ein wenig den Ball zuschiebt, bis er merkt, aha, das könnte man noch so oder so machen.
Wenn alle ihre Ideen einbringen, entsteht ein Sog und Projekte werden relativ schnell umgesetzt. Dabei ist es wichtig, dass man die Behörden entweder mit im Boot hat oder diese immer auf dem laufenden Stand hält.“

„In einem Projekt sollten immer Leute dabei sein, die eine gewisse Erfahrung haben, die schon einmal Lehrgeld bezahlen mussten für ihre Fehler. Sie wissen, wie man es besser macht. Sonst werden immer wieder dieselben Fehler gemacht.“

„Wichtig ist, dass die Gemeinden nicht alleine wursteln, sondern miteinander die vor-handenen Ressourcen nutzen. Das bedeutet auch, dass je nachdem, zum Beispiel bezüglich Umzonungen, auch der Kanton Hand bieten muss, damit nicht nur geredet wird, sondern man zügig vorwärts kommt. Da muss man vielleicht auch mal Druck aufsetzen.“

„Im Rheintal existieren eine Menge verschiedener Organisationen in diesem Thema, die alle mehr oder weniger dasselbe wollen, doch sie reden nicht miteinander. Es gibt tolle Anlässe, zum Beispiel vor kurzem eine Energieveranstaltung in Oberriet. Man muss immer wieder davon reden. Doch warum macht man nicht einmal miteinander etwas, das Hand und Fuss hat? Wo man sagt, jetzt hocken wir mal alle zusammen.“

„In einem ersten Wurf gibt das einen Haufen Leute, wo man Wünsche und Ideen sammelt und fragt, wer mitmachen möchte. Die werden namentlich aufgeführt und man sieht gleich, wen man wofür brauchen kann. Mit diesen Leuten kann man gleich mit Projekten beginnen. Die guten Leute egal aus welcher Partei muss man mit hinein nehmen.“

„Ein solches Projekt könnte zum Beispiel eine Fernleitung von Oberriet nach Rüthi sein. Wo man wirtschaftlich denkt und trotzdem grosszügig, weil es unter dem Strich günstiger kommt, wenn man es auf’s erste Mal recht macht als immer diese halben Sachen.“

„Eine neue Biogasanlage zum Beispiel würde überregional vielerlei Synergien ermög-lichen. Weniger Entsorgungsprobleme, grössere Transportauslastung der Lieferanten und günstigere Produkte sind eine Folge der neuen Kooperation. Aldi und Lidl bei-spielsweise machen das bereits so. Eine Fahrt Gemüse von Spanien herauf zu uns, die Fahrt zurück mit einer Ladung von sonst was. Auch deswegen sind deren Preise so tief.“

„Es ist auch falsch in den Organisationen viel Geld zu vergeuden, bevor überhaupt etwas gemacht wird. Niemand des Vorstands der Solargenossenschaft hat bis heute nur einen Franken erhalten. Wir haben bis jetzt, die ersten eineinhalb Jahre, alles unentgeltlich gemacht. Je nach Abschluss 2014 erhalten die Vorstandsmitglieder auf-geschlüsselt nach Zeitaufwand etwas. Doch zuerst werden Reserven gebildet, die Genossenschafter ausbezahlt und der Pachtzins beglichen.“

„Ein solches Projekt muss eine breite Basis haben. Wenn diese einmal nur ein biss-chen in Schwung ist, kann man sie kaum mehr stoppen. Auch wenn es an einem Ort mal etwas harzen sollte."

"Wenn genügend Kantonsräte für dieses Projekt sind, kann ein Antrag gestellt wer-den, dass der Kanton eine Stelle mitfinanziert. Dieses Geld wäre viel besser investiert als für Vieles wofür der Kanton derzeit Geld ausgibt."



Mittwoch, 18. Juni 2014

Martin Pozivil, Kantonsschullehrer, Heerbrugg, 60 Jahre



Seit der Eröffnung der Kantonsschule Heerbrugg 1975 ist er als Chemie- und Physiklehrer tätig. Die Allgemeinbildung ist ihm ein besonderes Anliegen.
Vor 25 Jahren begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs die Zusammenarbeit des Kantons mit dem Gymnasium Liberec in Tschechien, wobei Martin Pozivil noch heute der Heerbrugger Hauptakteur der Schüler-Austauschwochen ist.
Mit den Austauschen ermöglicht die Kantonsschule ihren Schülerinnen und Schülern Erfahrungen, welche ihnen sonst fehlen würden. Gegenseitige Offenheit und die Relativierung von Klischees sind neben dem gestärkten Klassenzusammenhalt die Haupteffekte davon. Qualitäten, welche zentral sind in der gemeinsamen Problemlösung.

„Ich persönlich habe als Neuankömmling im Rheintal nur die besten Erfahrungen gemacht. Abgesehen von einigen Unwissenheiten ist man mir eher mit Sympathie begegnet. Wichtig ist, dass man selber auch einen Beitrag leistet. Man muss selber auf die Menschen zugehen. Ich bin schnell im Kirchenchor Heerbrugg gewesen und durch diese Vereinszugehörigkeit habe ich rasch Kontakte geknüpft. Es ist immer ein Geben und ein Nehmen.“

„Die jungen Menschen sind im Wesentlichen die gleichen geblieben, was ihre Charak-terzüge, ihre Probleme und Fragestellungen angeht. Geändert haben sich auch bei ihnen die vielen multimedialen Einflüsse der virtuellen Welten. Das führt dazu, dass es für die jungen Leute immer schwieriger wird zuzuhören und konzentriert bei einer Idee zu bleiben statt von Thema zu Thema, von Fragment zu Fragment zu springen. Ihr Leben wird schnell- und kurzlebiger, man nimmt sich nicht mehr soviel Zeit wie früher. Das erfordert von der Lehrperson einen erhöhten inneren Kraftaufwand.“

„Die zunehmende Bürokratisierung im Allgemeinen führt dazu, dass weniger mit-einander geredet, gleich zur nächst höheren Instanz gegangen und bei Problemen gleich mit dem Anwalt gedroht wird. Immer mehr Papier, immer mehr Einflüsse aus der Administration und der Jurisprudenz sind weitere spürbare Veränderungen. Wir leben hier mit immer mehr Rekursen und Einsprachen. Heute ist viel mehr regle-mentiert als früher, als Vorsichtsmassnahme. Das dämpft den Elan bei den Vorbe-reitungen ein bisschen.“

„Für mich ist es wichtig, dass man offen über die Dinge spricht, man Anstandsregeln übt und darin Vorbild ist. Das sind für das spätere Leben wichtige Eigenschaften. Gerade heute sollte man in der Lage sein mit der Informationsvielfalt umzugehen, Informationen zu recherchieren und zu werten. Das gehört zu einer guten Allgemein-bildung dazu.“

„Die Austausche mit Tschechien begannen mit einer Hilfsaktion 1989. Zwei Lehrer und deren Schüler der Kantonsschule St. Gallen sammelten alte Schreibmaschinen für den Unterricht in Liberec, da es dort an einigem Material mangelte. Danach fand man, das müsse irgendwie weiter gehen. Somit wurde die Kooperation St. Gallen / Liberec gegründet, eine private Gruppierung, welche mich schliesslich per Rektor anfragen liess, ob ich mitmachen wolle.“

„Mit einer Ausnahme fanden die Schüleraustausche jedes Jahr statt. Die Schüler-schaft erhielt immer wieder Einblicke in den Alltag anderer Länder und Regionen, welche man sonst nie besuchen würde, indem sie bei den Gastgeberfamilien wohn-ten. Immer wieder konnten Beziehungen geknüpft werden, welche noch lange haften bleiben. Ehemalige sprechen mich immer recht schnell auf diese Austausche an. Für sie waren es intensive Erlebnisse, ein Highlight der Kantizeit.“

„Bei solchen Austauschen erfährt man nicht nur über die anderen, sondern auch über sich selber. Man nimmt Europa, die Schweiz, anders wahr, als man sich das gemein-hin so vorstellt, als einem die Medien vermitteln. Europa wird als Kulturraum erfahren, als Menschen mit ihren Gepflogenheiten. Durch die Austausche gibt’s eine nachhal-tige Korrektur des Europabildes.“

„Wenn man etwas selbst erlebt hat, kann man einem nicht irgendetwas andrehen. Liest man dann etwas über diese Länder, wird kritisch verglichen. Die Fähigkeit abzu-wägen ist natürlich schon sehr wichtig.“

„Bei Sonderprogrammen wie den Austauschen werden die Klassenverbände gefes-tigt. Solche Gruppen sind eher bereit über Probleme zu diskutieren. Sie werden kommunikativer und offener für andere Stellungnahmen, toleranter auch gegenüber anderen Meinungen. Durch diese öffnende Erfahrung wird in der Schule, in den Familien und unter den Freunden die Diskussionskultur verbessert.“

„Ich versuche den Schülern ein gewisses Umweltbewusstsein, oder allgemein ein kritischeres Bewusstsein zu vermitteln.  In den ehemaligen Ostblockländern gibt es genug Narben in der Natur, welche eine nachhaltige Nutzung nahe legen. Die Aus-tausche ermöglichen mir als Physiker, praktische Auswirkungen politischer Energie-entscheide zu erleben. Statt einseitig auf einen alternativen Energieträger umzu-steigen, ist ein Mix davon anzustreben. Für eine Weile noch können wir jedoch nicht auf Kernkraft verzichten."

„Neue Technologien und Materialien ermöglichen einen sparsameren Umgang mit möglichst regionaler Energie wie Wasser- und Holznutzung. Auch Technologiever-besserungen wie Wirkungsgrade machen eine Region autarker. Man muss etwas über die Bücher, ob man wirklich alles braucht, oder ob ein bisschen mehr Beschei-denheit nicht mehr Lebensqualität bedeutete. Ich selber versuche bei jeder Gelegen-heit auf das Auto zu verzichten.“



Mittwoch, 28. Mai 2014

Walter Graber, Holzenergie-Vorkämpfer, Kobelwald, pensioniert



Walter Graber betrieb im Rheintal eine Sägerei und suchte Abnehmer für sein Restholz. Er war vor 30 Jahren einer derjenigen, welche den Anstoss gaben für eine nachhaltige Holznutzung im Energiesektor. Als Erfolg seiner ausdauernden Arbeit sind die zahlreichen Wärmeverbünde zu nennen, welche das Potenzial im Rheintal heute beinahe vollständig ausschöpfen.
Nun ist er pensioniert und hat sein Netzwerk im Holzsektor aufgegeben. Selber heizt er mit einem sauber verbrennenden Spezialofen, gewinnt Wärme aus eigenen Sonnenkollektoren und nutzt Regenwasser für WC und Garten.

„In Sägereien fallen eine Menge an Resthölzern an. Daraus lassen sich Holzschnitzel machen. Diese gingen damals an die Grosskonzerne, welche die Preise dafür bestimmten. Steigende Preise für Erdöl und Erdgas und sinkende Preise für Holzschnitzel erforderten neue Absatzmärkte. So kamen wir auf die Idee, aus den Resthölzern Wärme zu gewinnen. Wir gründeten vom Schweizerischen Holzindu-strieverband aus dazu die Energieholz-Kommission, deren Präsident ich wurde.“

„Unter dem Dach von Holzenergie Schweiz sind Bauern-, Waldwirtschafts- und Holzwirtschaftsverband vertreten, auch Kaminfeger, Hafner, Produzenten von Holz-heizungen, Planer und das Bundesamt für Energie fanden sich für diese Sache relativ schnell. “

„Es entstanden in den Regionen verschiedene Energieholz-Gruppen, in welchen Sägereien, die Landwirtschaft, Hersteller von Heizungen und andere Interessierte dabei waren. Sie begannen politische Forderungen zu stellen und Forschungen zu initiieren. Heute bieten sie Weiterbildungen an und ermöglichen so den Erfahrungs-austausch. Dies hilft Schwachstellen auszumerzen.“

„Wir erarbeiteten Grundlagen für interessierte Planer und schauten, dass wegwei-sende und vorbildliche Anlagen gefördert wurden. Unter ‚Energie 2000’ war eine entsprechende Lösung entstanden mit dem Ziel, 20-25% der Wärme aus Biomasse zu produzieren, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren sowie die Verwendung von einheimischen CO2-neutralen Rohstoffen zu fördern. Dabei wurden wir von der Ölindustrie bekämpft; die hatte keine Freude daran, dass mit staatlichen Mitteln Energie gefördert wurde.“


„So begann man in der Holzbranche, Heizsysteme und Wärmeverbünde zu reali-sieren. Die Forstbetriebe hatten dasselbe Problem mit dem Restholz, deshalb wurde ihr Holz in denselben Heizsystemen verwendet.
Unsere Abnehmer waren Schulhäuser, Spitäler und andere grössere Staatsbetriebe, zum Beispiel Gemeinden. So lohnte es sich.“

„Auf diese Weise konnten wir in der Schweiz Arbeit generieren, Devisen sparen sowie nutzten wir eine sinnvolle Möglichkeit, in einem geschlossenen Kreislauf Wärme zu produzieren. Es entstanden etliche Hundert solcher Anlagen.“

„Diese Art von Wärmegewinnung hat sich gerade im Rheintal sehr gut etabliert. Das Potenzial wird heute praktisch vollständig ausgenutzt. In Altstätten befinden sich zwei grosse Fernheizanlagen, zwei in Schulhäusern in Oberriet, eigentlich praktisch in jeder Gemeinde.“

„Früher musste man gegen Vorurteile kämpfen, heute sind die Mehrkosten einer Holzheizung akzeptiert, da auch der Rohstoff gesichert, d.h. genügend Material vorhanden ist. Die Mehrkosten lohnen sich auch, da man weniger Geld ins Ausland schicken muss und unabhängiger ist aus Sicht der Versorgungssicherheit. Heute kann Holz mit Öl und Gas konkurrieren. Auch denkt die Bevölkerung heute anders als früher.“

„In unserem Tal haben wir viele Waldungen, insbesondere in den Schutzwäldern fällt viel Material an, welches nur zur Energiegewinnung verwendet werden kann. Die Produzenten haben ein Interesse an einem Markt, da sie mit dieser Nutzung eine höhere Wertschöpfung erzielen können.“

„Das Rheintal hat ein starkes Holzgewerbe, ob im Holzbau oder im Schreinergewer-be. Unsere Sägereien haben wegen des Preiskampfes schwierigere Bedingungen und müssen kreativ sein, um überleben zu können. Sie besetzen Nischenplätze, für welche sich die Grossindustrie nicht interessiert.“

„Ich wünsche dem Rheintal, dass der hiesige Rohstoff Holz im Tal nach wie vor verarbeitet wird, bei möglichst guten Bedingungen, mit möglichst geringen Trans-portwegen, dass der Rohstoff Holz weiterhin seinen Stellenwert hat. Der grosse Vorteil an einheimischen Produkten sind die kurzen Wege und die gut ausgeblldeten Leute.“

„Ich hoffe auf eine Zeit, in welcher die sogenannte Nachhaltigkeit wieder mehr gefragt ist. Dass die Rahmenbedingungen der spezifischen Situation in der Schweiz ange-passt werden und sich die Bevölkerung einheimische Produkte leisten kann. Anson-sten gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, sondern auch Know-How. Jede Energie-form muss in Zukunft effizienter genutzt werden.“

„Ich hoffe, dass durch die aktuelle Situation nicht noch gar alle lokalen Betriebe kaputt gehen, sondern noch etwas erhalten bleibt. Auch dass wir die künftigen Einschnitte durch Klimawandel und Massenbewegungen von Bevölkerungen überleben, dass wir immer wieder eine Nische finden.“